LMd – Das Blatt hinter dem Atlas

Im Frühjahr 2003 erschien der erste Atlas der Globalisierung von Le Monde diplomatique und war sofort ein voller Erfolg – als hätten die Leserinnen und Leser darauf gewartet. Die Kombination aus kurzen Hintergrundtexten und politischen Karten war auf dem deutschen Buchmarkt etwas Neues und Infografiken in Zeitungen waren damals noch eine Ausnahme. Nur nicht bei der großen Monatszeitung für internationale Politik Le Monde diplomatique: Als im Mai 1995 die erste deutschsprachige Ausgabe bundesweit am Kiosk lag, hatte Philippe Rekacewicz, der neben seiner Arbeit in der Pariser LMd-Redaktion für die UNO auf Reisen ging, gleich drei Karten gezeichnet – über die Konfliktregion Kaukasus, das Militärregime Birma und das gespaltene Belgien, wo der rechtsextreme Vlaams Blok bei den Kommunalwahlen 1994 beunruhigend erfolgreich gewesen war.


Alle Atlanten der Globalisierung ab 2011 im LMd-Shop erhältlich


Seitdem ist kaum eine Monatsausgabe ohne Karten oder Infografiken erschienen, die heute von Rekacewicz’ Nachfolgerinnen Cécile Marin und Agnès Stienne oder dem Artdirector der Berliner LMd-Redaktion Adolf Buitenhuis gestaltet werden.

Als Le Monde diplomatique 1954 in Paris gegründet wurde, sah die Zeitung, die Frankreichs Diplomaten in den Kolonien mit Hintergrundinformationen versorgen sollte, noch anders aus. Mit den Unabhängigkeitsbewegungen in Afrika und Asien veränderte sich auch das Eliteblatt Le Monde diplomatique und wurde schon bald zu einer Institution für die französische Linke. Und natürlich kannte auch der Schweizer Journalist und damalige Chef redakteur der taz Thomas Schmid die Zeitung. Im April 1995 reiste er mit einer Delegation aus Berlin und Zürich nach Paris, um einen Lizenzvertrag für eine deutschsprachige Ausgabe zu unterschreiben, die in den Verlagen der taz und der Schweizer Wochenzeitung WOZ erscheinen sollte. Es war der Beginn einer bis heute anhaltenden Erfolgsgeschichte, die nicht zuletzt den Atlanten zu verdanken ist, die auf dem deutschsprachigen Markt lange bekannter waren als die Zeitung. Aber auch das hat sich inzwischen verändert.


Zur aktuellen Monatsausgabe


In Zeiten der medialen Beschleunigung wird LMd vor allem für seine hintergründigen Beiträge geschätzt, in der namhafte Autor*innen, Wissenschaftler*innen und ehemalige Diplomaten die langfristigen Ursachen aktueller Konflikte verständlich, aber ohne zu vereinfachen analysieren. Das klare Layout, Schwarz-Weiß-Fotos, farbige Kunst (in jeder Ausgabe wird eine Künstlerin und auf der letzten Seite ein Comiczeichner vorgestellt) sowie die Infografiken und Karten haben LMd zu einer unverwechselbaren Marke gemacht.

www.monde-diplomatique.de